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DU BIST, WAS ICH SCHREIBE

door Ulrike Blieffert in de Duitstalige ELLE, juli 2002

Schreiben macht einsam. Und weil die französische Schriftstellerin Stéphanie Cohen nicht länger allein mit ihren Fantasiefiguren sein wollte, umgab sie sich mit echten Menschen. Nicolas Ghesquiere, Chefdesigner von Balenciaga, Kate Moss und Björk gehören zu denen, deren Biografie sie schrieb. Keine Biografien im klassischen Sinn, denn ihre Texte sind nicht langer als eine, höchstens zwei Seiten. Daten, Diplome und Denkwürdigkeiten aus dem Leben ihrer Kunden lässt die Französin bewusst unter den Tisch fallen, denn sie interessiert nur eins: der Kern einer Persönlichkeit, ÑPortraits en mots" (Porträts in Worten) nennt Stéphanie Cohen ihre Werke zwischen Realität und Poesie.
Die Protagonisten kennt sie mal gut, mal nur flüchtig. Was zählt, ist der subjektive Eindruck. 'Im Atelier von Nicolas Ghesquière hing so ein grünes, fließendes Kleid. Und plötzlich sah ich seine Tante, eine exzentrische Frau, in diesem Kleid vor meinem inneren Auge. Ich habe das aufgeschrieben, dabei wusste ich gar nicht, ob er überhaupt eine Tante hat..' Die Grenzen zwischen wahr und gut erfunden sind bei der 35-Jährigen fließend. 'Ich weiß nicht, ob ich ein besonders feinfühliger Mensch bin. Aber manchmal denke ich mir für ein Porträt eine Eigenschaft oder Begebenheit aus, die dann tatsächlich vorhanden ist oder stattgefunden hat.' Und wer will schon so genau wissen, welches Make-up Kate Moss benutzt, wenn Sätze wie 'Ware ich eine Ikone, ich wäre ein Freudenschrei...', die Cohen im Namen des Top- Models schrieb, viel mehr aussagen. Schade nur, dass Normalleser diese Porträts selten zu Gesicht bekommen. Ein Erfolgsgeheimnis der Autorin ist nämlich Diskretion -nur der jeweilige Adressat bestimmt, ob und wie er sein leben an die Öffentlichkeit bringt. Obwohl Cohen in prominenten Kreisen hoch gehandelt wird, setzt sie nicht auf exklusive Kundschaft. Die eigene Geschichte, geschrieben von Stéphanie Cohen, kann jeder haben, der bereit ist, um die 1600 Euro dafür zu bezahlen. 'Was mich berührt, ist, dass jemand zu mir kommt und sich mir anvertraut. Das macht mich sehr glücklich.' Eine Lieblingsgeschichte hat sie nicht. 'Es ist jedes Mal ein Abenteuer, einen Einblick in ein fremdes Leben zu bekommen. So entstehen intensive Momente.'
Kein Wunder also, dass Stéphanie Cohen durch ihren poetischen Beruf neue Freunde, wie die Modefotografin lnez van Lamsweerde, gefunden hat. Björk schickt E-Mails. Und hin und wieder wird die Autorin in Begleitung von Pariser Prominenz gesichtet. 'Aber es ist Vorsicht geboten', sagt sie und lacht, 'es bleibt dabei einfach nicht aus, dass man sich näher kommt.' Und die Einsamkeit des Schriftstellers? Davon kann gar keine Rede mehr sein.

"Portraits en mots" van Stéphanie Cohen können auf Französisch und Englisch in Auftrag gegeben werden. Über: Galerie "Air de Paris' 32, rue Louise Weiss, 75013 Paris, Tel. 0033/144 230277
website: www.airdeparis.com

 

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