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Hannah und Martin

Das Theaterensemble mugmetdegoudentand spielt Hannah und Martin, ein neues niederländisches Theaterstück, basierend auf der geheimen Liebesbeziehung zwischen Hannah Arendt und Martin Heidegger.

Adaptationen über berühmte und unmögliche Liebesbeziehungen sind im Theater kein unbekanntes Phänomen. Seltener sind Vorstellungen, in denen sich die Theatermacher die Affäre persönlich zu Herzen nehmen, wie in Hannah und Martin. Hannah und Martin ist eine Vorstellung geworden, in der die beiden Schauspieler mindestens genauso wichtig sind wie das faktische Ausgangsmaterial. Unser gemeinsames „Leben“ während der Proben von Hannah und Martin wurde das fantasierte Zusammenleben von Hannah Arendt und Martin Heidegger. Gemeinsam mit dem Publikum machen wir uns auf eine verkettete Suche nach dem, wer sie sind – und wer wir sind. Das Persönliche und das Politische sind in einer Vorstellung zusammengebracht.

Viel gestellte Fragen an die Schauspieler: zwei Philosophen? Kann das denn etwas werden? Und andererseits, nehmt ihr es ernst genug?

Unsere verschiedensten Ausgangspunkte, sowie die Komplexität des Themas beanspruchen verschiedene Formen und Spielstile. Damit wir uns unser selbst und der Romanze von verschiedenen Seiten nähern können.


Hannah und Martin

24 und 25.06.10 Festival Neue Stücke aus Europa, Wiesbaden
25.10.10 Schauspiel Frankfurt Extras Gastspiel / Kulturtage der Europäischen Zentralbank / Niederlande 2010
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krant

Hannah und Martin


Kritiken
Blogs
  • newplays-blog.de 26. Juni 2010, "Das niederländische Stück “Hannah und Martin” stellt sich der altbekannnten Heidegger-Arendt-Geschichte", von Jakob C. Heller
auf Niederländisch
Zitate
  • „Intelligentes Theater, wie man es nur selten sieht (…) De Wolf und Rijxman sind starke Schauspieler, die virtuos mit ihrem Material spielen.“ NRC und NRC next
  • „… beispielloses, intelligentes und manchmal beklemmendes Theater (…) Rijxman mit ihrer phänomenalen Phantasie als Schauspielerin.“ Het Parool
  • „… geistreich und beißend, aber auch ergreifend.“ De Telegraaf
  • „… von einer heiter unbehaglichen Sexszene hin zu einer beklemmenden Erörterung des Prozesses gegen den Nazi Adolf Eichmann und die Banalität des Bösen ...“ De Volkskrant
  • Zwei Mal von den Kritikern der Tageszeitung Volkskrant für ihre Theaterhitliste Top Tien 2009 ausgewählt. De Volkskrant
Niederländische blogs

 

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25. Mai 2009

„Hannah und Martin“ von der Theatergruppe Mugmetdegoudentand

Simon van den Berg (www.simber.nl)

Vor drei Jahren spielten Willem de Wolf und Lineke Rijxman zwei Kinder in der Produktion Quality Time der Theatergruppe Mugmetdegoudentand. Rijxman wurde dafür mit der Colombina (niederländischer Theaterpreis für die beste weibliche Nebenrolle) ausgezeichnet und trat der künstlerischen Leitung der Theatergruppe bei. Jetzt machten sie gemeinsam eine Vorstellung über die geheime Liebesbeziehung zwischen dem Philosophen Martin Heidegger und der politischen Theoretikerin Hannah Arendt.

Sie untersuchen, was die gegenseitige Anziehungskraft gewesen sein mag: De Wolf vor allem aus der Perspektive Heideggers – der mit Sein und Zeit eines der metaphysischsten Werke der Philosophie schrieb und der die Nazis unterstützte; Rijxman aus dem Blickwinkel von Arendt – der jüdischen Theoretikerin, die nach Amerika fliehen musste und die während des Eichmann-Prozesses in den 60er Jahren die Banalität des Bösen formulierte.

Aber sie kommen nicht dahinter. Ob sie den schwadronierenden Professor Wolf mit Rijxman als die ihn verehrende 18-jährige Studentin spielen, oder Rijxman, die mit Zahnprothese, Perücke und Zigarette eine karikaturale Hannah Arendt darstellt, oder im Fernsehen ganz naturalistisch Hannah und Martin nachspielen, oder sehr kritisch und persönlich ihre gegenseitigen Absichten mit diesem Projekt zur Diskussion stellen – sie kriegen die Liebe nicht zu fassen.

In einem Bühnenbild aus Holzkisten, in denen tönerne Puppen im Stroh liegen, spielen de Wolf und Rijxman ein spannendes, vielschichtiges Spiel mit Identität, Philosophie und Schauspielstilen. Sie identifizieren sich nicht nur persönlich mit Heidegger und Arendt, jeder einzelne folgt seinem ganz individuellen Denksystem und obendrein mit dem ihm eigenen Stil als Theatermacher: De Wolf als ironischer Darsteller und seriöser Autor, Rijxman mit ihrer phänomenalen Phantasie als Schauspielerin. Diese Kombination von Konfrontationen führt auf oft komischen Umwegen doch wieder zur Einsicht.

Für Arendt bedeutet Nachdenken ein Gespräch, eine Auseinandersetzung mit den Standpunkten anderer, nicht empathisch, sondern rational. Heidegger betrachtet Nachdenken als Mittel, um höhere Wahrheit und Einsicht zu erlangen. Aber Rijxman beweist haarscharf, dass, wenn Wahrheit und Einsicht zu kompliziert sind, das Nachdenken zum Ziel an sich und damit zu einer Pose wird. „Es fühlt sich wirklich an wie tatsächliches Nachdenken,“ antwortet de Wolf, wenn er in Antwort darauf seine „denkende“ Haltung angenommen hat.

Die Vorstellung endet mit einer antidemokratischen Tirade von de Wolf, und einer apokalyptischen Vision von Rijxman. Es sind zwei Theatermacher, die keine Antwort gefunden haben, es aber verstehen, damit beispielloses, intelligentes und manchmal beklemmendes Theater zu machen.

Nach About Beckett von Discordia und Villa Europa von De Warme Winkel (über Stefan Zweig) ist dies die dritte semibiografische Vorstellung dieser Spielzeit, in der sich letztlich alles um die Suche der Theatermacher selbst dreht. Alle drei streifen ihr Thema, und gerade dadurch bekommt der Zuschauer ein klares Bild.

 

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